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Storia

 
Bellinzona um 1630,Ansicht von Süden. Nach Hans Walther Im Hoff.

Das Spätmittelalter

Der Übergang Bellinzonas an Mailand unter den Visconti im Jahre 1340 bedeutete für den festen Platz die Eingliederung in einen reichen, zivil und militärisch durchorganisierten Territorialstaat. In den formairechtlich definitiven Besitz Bellinzonas gelangten die Visconti allerdings erst 1396, als König Wenzel an Gian Galeazzo Visconti mit dem Herzogtitel auch die Lehensrechte über die Grafschaft Bellinzona veräusserte. Die Mailänder Beamten setzten im Laufe des 14. Jahrhunderts die ordnungsstaatlichen Prinzipien der lombardischen Territorialmacht durch und sorgten mit Nachdruck für die Sicherheit auf den Strassen, die Wahrung der Zollrechte und die Bekämpfung des kriminalisierten Fehdewesens. Dank diesen Massnahmen erlebte der Handelsverkehr über den Gotthardpass jenen Aufschwung, der ihm wegen der vorangegangenen Wirren trotz der Öffnung der Schöllenenschlucht im 13. Jahrhundert bis anhin versagt geblieben war.
Der wohlgeordnete Viscontistaat schien nach dem Tode Gian Galeazzos 1402 auseinanderzufallen. Albert von Sax, der Herr der Mesolcina, bemächtigte sich 1403 Bellinzonas, geriet aber in Bedrängnis, als sich das Herzogtum unter Giovanni Maria und Filippo Maria Visconti wieder erholte. Er suchte Rückendeckung bei den Urnern, die ihn zusammen mit den Obwaldnern ins Landrecht aufnahmen. 1419 kauften sie den Freiherren von Sax die Feste Bellinzona ab, vermochten sie aber nicht zu behaupten. Denn als sie auf das mailändische Rückkaufsangebot nicht eingingen, vertrieb der Mailänder Feldherr Carmagnola 1422 die Innerschweizer Besatzung aus Bellinzona. Der Versuch, mit Hilfe der Miteidgenossen den festen Platz zurückzuerobern, endete am 30. Juni 1422 mit der blamablen Niederlage von Arbeda, welche die Aussichten der Urner und ihrer Verbündeten auf eine territoriale Expansion an den Lago Maggiore auf längere Zeit zunichte machte. Für das ganze 15.Jahrhundert blieben die Versuche der Urner, die 1422 so schmählich verlorene Feste Bellinzona zurückzugewinnen, ohne Erfolg. 1441 erzwangen sie nach einem neuerlichen Feldzug vor Bellinzona, das sie nicht einnehmen konnten, bloss die Abtretung der Leventina bis zur Brücke von Biasca. Auch das Unternehmen von 1478, das nach vergeblichem Angriff auf Bellinzona mit dem Sieg von Giornico wenigstens die Innerschweizer Waffenehre rettete, brachte die Urner in ihrem Ringen um Bellinzona nicht weiter. Gegen das territoriale Ausgreifen der Urner und ihrer Miteidgenossen konnte Mailand unter den Visconti und seit 1450 unter den Sforza den Reichtum, die diplomatische Erfahrung und die militärischen Machtmittel des Herzogtums einsetzen. An einem Krieg mit den Eidgenossen nicht interessiert, versuchte Mailand mit Erfolg, diese mit Geldentschädigungen und Handelsprivilegien abzufinden. Um ihr Territorium vor den unberechenbaren Innerschweizern militärisch zu schützen, gaben die Herzöge die oberen Tessintäler im Sinne eines Glacis preis und konzentrierten ihre Verteidigungsanstrengungen auf Bellinzona, dessen alte Befestigungen sie im Laufe des 15. Jahrhunderts zu einer kaum bezwingbaren Talsperre ausbauten. Schon um 1350 dürfte das Castello di Montebello vergrössert und mit Schenkelmauern an die Stadtbefestigung angeschlossen worden sein. Und kurz nach 1400 entstand auf einem erhöhten Felskopf der östlichen Bergflanke ein Turm, der Kern des späteren Castello di Sasso Corbaro. Noch unter den Visconti wurde der Versuch unternommen, unter Ausnützung einer natürlichen Felsrippe eine Sperrmauer bis über den Ticino hinaus an die westliche Bergflanke zu ziehen. Mächtige Verstärkungen erhielten in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts das Castelgrande und das Castello di Montebello. Nach dem Giornicokrieg wurde geradezu fieberhaft an den Befestigungswerken gearbeitet. Die Murata, die Sperrmauer westlich des Castelgrande, wurde vollständig neu aufgeführt, auf Sasso Corbaro entstand ein starkes Kastell, verstärkt und erhöht wurden die Stadtmauern und die Aussenwerke der Burgen. Verschiedene Baumeister, die im späteren 15. Jahrhundert die Arbeiten an den Befestigungsarbeiten geleitet haben, sind namentlich bekannt. Sie stammten zum Teil aus Italien, so BENEDETTO DA FIRENZE, FRANCESCO DA MANTOVA oder MAFFEO DA COMO, oder aus dem Tessin wie GABRIELE GHIRINGHELLI oder GIORGIO DA CARONA. Der imposante Anblick, den die Befestigungen von Bellinzona heute bieten, geht im wesentlichen auf die Bautätigkeit der Herzöge von Mailand im 15. Jahrhundert zurück.
Die etwas hastige Bauweise zwang zur Verwendung älterer Mauerteile, die sich an verschiedenen Stellen der Befestigungsanlagen, vor allem an den Stadtmauern und am Montebello, deutlich abzeichnen.
Erst die politische Zerrüttung des Herzogtums Mailand um 1500 verhalf den Eidgenossen zur Gelegenheit, die für sie praktisch unbezwingbare Feste Bellinzona in die Hand zu bekommen.


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