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Geschichte

 
Castello di Montebello, Ansicht con Osten.

Das Hochmittelalter

Das Ende der Karolingerherrschaft brachte für Oberitalien unruhige Zeiten. Die alte Wehranlage auf dem Castelgrande diente damals nicht nur den langobardischen Königen und lokalen Machthabern als Stützpunkt, sondern auch der umwohnenden Bevölkerung als Fluchtburg. Als archäologisches Zeugnis für die erhöhte Bedeutung Bellinzonas als fester Platz können die fortifikatorischen Verstärkungen gelten, die im Südbereich des Castelgrande ausgegraben worden sind.
Die Erneuerung des Römischen Imperiums durch die ottonischen Herrscher machte im 10./11. Jahrhundert die Alpenpässe zu einem entscheidenden Faktor der kaiserlichen Italienpolitik. Mit der Aktivierung des Lukmaniers und des San Bernardino durch die Ottonen rückte auch Bellinzona ins Blickfeld der Kaiser, die wie aus späteren Urkunden vermutet werden darf den festen Platz an die ihnen ergebenen Bischöfe von Como übertrugen. Als nach dem Tode Ottos III. Arduin, der Markgraf von lvrea, das langobardische Königtum wieder aufrichten wollte, bestätigte auch er 1002 dem Bischof den Besitz der Burg von Bellinzona. Und 1004, nach der Vertreibung Arduins, erneuerte Heinrich II. die Schenkung, so dass Bellinzona in der Hand der Bischöfe von Como für lange Zeit ein kaiserlicher Stützpunkt blieb.
In dieser Zeit des 11. und 12. Jahrhunderts müssen im Areal des Castelgrande vom comaskischen Adel, der das Gefolge des Bischofs bildete, repräsentative Bauten Türme und Steinhäuser errichtet worden sein. Dem Bischof selbst gehörte nur der ursprünglich königliche «Ridotto», der innerste Befestigungskern, der in den Urkunden als bischöflicher Palast bezeichnet wird. Ob in den Jahrzehnten des Investiturstreites um 1100 Bellinzona umkämpft worden ist, wissen wir nicht. Sicher aber bildete Bellinzona unter den staufischen Herrschern den Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen. Unter Friedrich I. Barbarossa befand sich Bellinzona fest in staufischen Hand, doch hielt es Barbarossa um 1180 für geraten, den exponierten Platz der kaisertreuen Kommune von Como zu unterstellen. Er selbst scheint auf seinen Italienzügen wiederholt über Bellinzona gereist zu sein.
Im 13. Jahrhundert eskalierte die kaiserlich-päpstliche Konfliktsituation in Oberitalien. Como, vorübergehend guelfisch-päpstlich gesinnt, trat 1239 zur Ghibellinenpartei über, wodurch Kaiser Friedrich II. wichtige Stützpunkte an den südlichen Alpenausgängen in die Hand bekam. So auch Bellinzona, das er sofort mit einer Besatzung versah und verstärken liess. Unter Simon von Orello gelang es aber 1242 den Guelfen, Bellinzona einzunehmen, was entscheidend zum Zusammenbruch der Machtstellung Friedrichs II. am südlichen Alpenfuss beitrug.
Nach dem Ende des staufischen Kaisertums um 1250 setzte sich der Konflikt zwischen Guelfen und Ghibellinen in Oberitalien als Auseinandersetzung unter lokalen und regionalen Machthabern bis weit ins 14. Jahrhundert hinein fort. Der feste Platz Bellinzona erfuhr damals eine topographische Erweiterung mit nachhaltigen Folgen. Wohl noch vor 1250 dürfte die Markt und Transitsiedlung im Engpass östlich des Castelgrande in eine Stadt umgewandelt und mit einer Ringmauer bewehrt worden sein, und am Ausgang des 13. Jahrhunderts entstand auf einem Felssporn östlich dieser Stadtanlage das Castello di Montebello.
Bellinzona blieb für Jahrzehnte umstritten. Wiederholt wurde der feste Platz belagert und erobert, so 1284, 1292 und 1303. Die Camasker Familie der Rusca vermochte sich längere Zeit in Bellinzona gegen das immer stärker werdende Mailand zu behaupten. Nachdem 1335 die Stadt Como von den Mailändern unter den Visconti erobert worden war, verblieb den Rusca nur noch Bellinzona. Von hier aus planten sie einen grossen Aufstand gegen Mailand, den die Visconti aber niederschlagen konnten und zum willkommenen Anlass nahmen, sich auch Bellinzonas zu bemächtigen. 1340 fiel der feste Platz nach langer Belagerung. Die Rusca konnten nur Montebello als Privatbesitz behalten. Damit begann für Bellinzona die anderthalb Jahrhunderte dauernde Herrschaft Mailands.


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