Bellinzona wird eidgenössisch
Als sich 1499 König Ludwig XII. von Frankreich anschickte,
seine Erbansprüche auf das Herzogtum Mailand gewaltsam durchzusetzen,
rückte Bellinzona, seit über einem Jahrhundert bloss eine
mailändische Sperrfeste gegen die Eidgenossen, noch einmal ins
Blickfeld der europäischen Politik. Bei der Eroberung des Herzogtums
sicherte der König den Eidgenossen, deren Söldnerkontingente
er angewiesen war, die Abtretung Bellinzonas zu. Nach erfolgreichem
Abschluss des Feldzuges machte er sein Versprechen jedoch rückgängig
und legte, um einem Handstreich der Eidgenossen zuvorzukommen, eine
Besatzung von 1000 Mann in die Festungswerke von Bellinzona. Da brachte
ein Aufstand die Herrschaft Ludwigs über das Herzogtum Mailand
im Winter 1499/1500 an den Rand des Zusammenbruchs, und auch in Bellinzona
erhob sich die Bevölkerung gegen den König. Die französische
Besatzung verschanzte sich in der Murata und auf dem Castello di
Sasso Corbaro. Doch rückte im Frühjahr 1500 König
Ludwig erneut in die Lombardei ein, besetzte das Land und nahm den
Herzog von Mailand gefangen. Um sich vor der Rache des Siegers zu
schützen, unterwarfen sich die Bellinzoneser einer heimkehrenden
Kriegerschar aus der lnnerschweiz, die sofort die französische
Besatzung aus der Festung vertrieb und die Huldigung der Stadt entgegennahm.
Die frankreichfreundlichen Orte der Eidgenossenschaft distanzierten
sich freilich von diesem Handstreich. Uri, Schwyz und Nidwalden aber
weigerten sich entschieden, den festen Platz, um den sie so lange
vergeblich gerungen hatten, wieder herauszugeben. 1503 bequemte sich
Ludwig XII. im Vertrag von Arona zur Anerkennung der Innerschweizer
Ansprüche, und 1508 erteilte auch Kaiser Maximilian seine Zustimmung
zur Übertragung des Reichslehens Bellinzona an Uri, Schwyz und
Nidwalden. Im Ewigen Frieden von 1516, der für lange Jahrhunderte
die Grundlage für die diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich
und den Eidgenossen bilden sollte und letzteren auch ihre Eroberungen
im südlichen Teil des heutigen Kantons Tessin zusicherte, erhielt
die Herrschaft der Innerschweizer Orte über Bellinzona ihre
endgültige Bestätigung. Die Grafschaft Bellinzona wurde
so bis zum Untergang der Alten Eidgenossenschaft im Jahre 1798 eine
Gemeine Herrschaft von Uri, Schwyz und Nidwalden.
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