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Geschichte

 
Castegrande, Ansicht von Sudosten.

Das Frühmittelalter

Die Auflösung der kaiserlichen Zentralgewalt im Weströmischen Reich am Ende des 5. Jahrhunderts bedeutete keineswegs das Ende der zivilen und militärischen Verwaltungsstrukturen. Gestützt von der Kirche unter Führung der Bischöfe, diente die regionale Administration den Rechtsnachfolgern der römischen Kaiser in Italien um 500 den Ostgoten, um die Mitte des 6. Jahrhunderts dem erstarkten oströmisch-byzantinischen Reich und ab 568/70 den Langobarden als Grundlage ihrer staatlichen Machtentfaltung. Bellinzona, seit dem 4. Jahrhundert eine kaiserliche Festung, wurde in die Militärorganisation der Nachfolgestaaten einbezogen und nach Bedarf, wie die archäologischen Befunde auf dem Castelgrande belegen, fortifikatorisch unterhalten und ausgebaut. Nach der Besetzung Oberitaliens durch die Langobarden erhielt Bellinzona, wohl seit dem 5. Jahrhundert der Verwaltung Mailands unterstellt, eine ständige Besatzung, die den Platz vor allem gegen die Einfälle fränkisch-alemannischer Scharen zu verteidigen hatte. 590 wurde ein fränkischer Angriff abgewehrt, wobei ein Anführer durch das Geschoss eines Verteidigers getötet wurde.
Der Felshügel des Castelgrande bildete im Frühmittelalter mit seiner spätrömischen Kastellmauer eine schwer bezwingbare Festung, weshalb die Langobardenkönige alles Interesse daran hatten, den Platz in ihrer Hand zu behalten, auch wenn damals die in Bellinzona zusammenlaufenden Passrouten über die Alpen nur von zweitrangiger Bedeutung waren. Noch im Verlaufe des Frühmittel alters entstanden auf dem Burgareal des Castelgrande private Parzellen, so dass dem Königtum nur ein Restgrundstück im Zentrum der Anlage verblieb. In den Kämpfen zwischen den karolingischen Herrschern und den Langobarden scheint Bellinzona eine Nebenrolle gespielt zu haben, Für einen Brand, der nach den archäologischen Befunden um 800 den Südteil der Burg verwüstet hat, liegen keine Anzeichen einer kriegerischen Einwirkung vor.


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