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Die Wehranlagen von Bellinzona gehören zu den bedeutendsten Zeugen der mittelalterlichen Befestigungsbaukunst in der Schweiz. Herausgewachsen aus einem spätantiken Kern auf dem Felshügel des Castelgrande, beruht die heutige Gestalt der Talsperre vor allem auf der umfangreichen Bautätigkeit der Herzöge von Mailand im 15. Jahrhundert. Damals ist eine mächtige, das ganze Tal abschliessende Festung entstanden, die dem kriegerischen Vordringen der Eidgenossen Einhalt gebieten sollte. Mit ihren Mauern, Türmen, Zinnen und Toren löst diese imposante Befestigungsanlage auch beim heutigen Betrachter Erstaunen aus.

Im Schnittpunkt der Alpenpässe
«Dieser Platz st Schlüssel und Tor zu Italien» mit diesen Worten kennzeichnete Kriegskommissar Azzo Visconti 1475 in einem Schreiben an den Herzog von Mailand die strategische Rolle Bellinzonas, um die Notwendigkeit fortifikatorischer Verbesserungsarbeiten an der Talsperre zu begründen. Tatsächlich laufen in der TaIenge von Bellinzona so viele Passrouten zusammen wie kaum in einem anderen südlichen Alpenausgang: Neben den Für den modernen Verkehr erschlossenen Übergängen des Nufenen, Gotthard, Lukmanier und San Bernardino müssten für die früheren Epochen des Reit-, Saum- und Fussverkehrs auch der rege begangene Pfad über die Greina sowie die West-Ost-Achse Domo d’Ossola-Centovalli-San Jorio-Veltlin genannt werden. All diese Routen bündelten sich bei Bellinzona auf einer Lange von wenigen Kilometern zu einem einzigen Strang, der sich weiter südlich wieder in verschiedene Achsen aufteilte, die zu Wasser oder zu Lande in die lombardische Ebene hineinführten. Die Beliebtheit der einzelnen Passe bei all den Herrschern, Gesandten, Boten, Kaufleuten, Viehtreibern, Pilgern, Kriegern, Flüchtlingen und Bettlern, die auf irgendeinem Weg über die Alpen ziehen wollten, hat sich im Laufe der Jahrhunderte wiederholt verschoben. Auch Belinzonas strategische Bedeutung hat sich mehrmals verändert, sie ergab sich aber nicht nur aus der verkehrspolitischen Situation, sondern auch aus den topographischen Voraussetzungen, die zur Errichtung von Befestigungsanlagen geradezu einluden. Durch einen Felsrücken, der sich von der Ostlichen Bergflanke her weit in die Talsohle vorschiebt, wird ein natürlicher Riegel gebildet, der nur zwei Durchgänge offenlässt: einen östlichen, wo im Mittelalter die Stadtsiedlung entstanden ist, und einen westlichen, durch den die unberechenbaren Fluten des Ticino zum Lago Maggiore drängen. Einen günstigeren Platz zum Anlegen einer Talsperre kann man sich kaum vorstellen.
Siedlungsfeindlich blieb bis weit in die frühe Neuzeit hinein die Überschwemmungszone des Ticino mit der versumpften Magadino-Ebene. Bis ins 15. jahrhundert hinein erstreckte sich ein Arm des Lago Maggiore bis hinauf nach Bellinzona, was bei der Torretta das Betreiben eines Schiffshafens moglich machte.