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Schlösser und Mauern

Stadtbefestigung, südliche Schenkelmauer zwischen Montebello und der Stadtmauer. Blick gegen Osten.

Die Murata

An die westliche Peripherie des Castelgrande schliesst, dem Verlauf einer natürlichen Felsrippe folgend, die Murata an, eine mächtige Sperrmauer, die einst bis an die Bergflanke auf dem rechten Ufer des Ticino gereicht hatte. Versuche, dieses imposante Befestigungswerk bis in die römische Zeit zurückzudatieren, scheitern an den archäologischen und baulichen Befunden, Offenbar ist erst unter den Visconti ein Projekt entwickelt worden, die Talsohle westlich des Castelgrande mit einer Wehrmauer zu sperren, vermutlich nach dem Arbedokrieg von 1422. Nach einer Beschreibung von 1457 war diese erste Murata mit 296 Zinnen bewehrt, was bei der vom Gelände bestimmten Gesamtlänge von knapp 600 m auf eine einzige, d. h. nur feindseitig angebrachte Zinnenreihe schliessen lässt. An der Stelle des späteren Portone (s. unten) war die Sperrmauer von einer Toranlage unterbrochen. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts befand sich die Murata, vor allem in der Nähe des Ticino, in einem schlechten Zustand. Im Giornicokrieg von 1478 gelang es den Eidgenossen, die Mauer zu durchbrechen und die Stadt wenn auch erfolglos von Süden her anzugreifen.
Im Zuge der grossen Erneuerungsarbeiten, die nach 1478 unter den Sforza an den Befestigungsanlagen von Bellinzona ausgeführt werden mussten, ist die alte, baufällige Sperrmauer abgerissen und durch eine Neukonstruktion ersetzt worden. Nach Ausweis der Schriftquellen erfolgten diese Bauarbeiten in den Jahren 1487-89. Ob vereinzelt ältere Mauerteile in den Neubau einbezogen worden sind, lässt sich am heutigen Bestand nicht ablesen. So wie sich die Murata jetzt in ihrer Originalsubstanz präsentiert, erweckt sie den Eindruck eines durchdachten, in einem Zug errichteten Festungswerkes, wobei da und dort deutliche Spuren einer zeitsparenden, wenn nicht gar hastigen Arbeitsweise zu beobachten sind. Im Gegensatz zur ursprünglichen Murata war der Neubau von 1487/89 zur Verteidigung in allen Richtungen konzipiert.
Leider sind im Laufe der Zeit wesentliche Teile der Murata der Zerstörung anheimgefallen, so dass sich die Sperrbefestigung heute als stark verstümmelter Torso darbietet, der wichtige Fragen zum fortifikatorischen Gesamtkonzept offenlässt. Die Hochwasserkatastrophe von 1515 hat die Murata auf einer Länge von ca. 150 m weggerissen, weshalb heute nicht beurteilt werden kann, wie die Befestigungen im Bereich des Ticino ausgesehen haben. Um 1820
ist die Torretta abgebrochen worden, ein starker Turm, der auf dem rechten Ufer des Ticino den schmalen Durchgang zwischen dem Fluss und dem felsigen Berghang sperrte. Als besonders schmerzlich empfinden wir heute die Schleifung des Portone im Jahre 1869, jenes Torturmes, durch den einst eine Strasse führte, die am Westfuss des Castelgrande eine Umgehung der engen Innenstadt von Bellinzona gestattete. Die Bresche, die der Abbruch des Portone hinterlassen hat, wird heute durch eine Passerelle auf der Höhe des Zinnenkranzes überbrückt.
Die Murata verläuft mit leichten Richtungsänderungen, die vom Gelände vorgegeben sind, in gestreckter Linienführung vom Castelgrande zum Ticino. Sie besteht aus einer Doppelmauer, die im Innern einen überwölbten Gang von knapp 2 m Breite und durchschnittlich 45 m Höhe birgt. Im östlichen Abschnitt ruhen die Fundamente direkt auf dem gewachsenen Fels, im westlichen sind sie in das Geschiebe des Ticino eingetieft. Die feindseitige Mauerflucht weist im unteren Teil den für das späte 16. Jahrhundert charakteristischen Anzug mit einem Wulstgesims als Abschluss auf. Ein im Westabschnitt unerlässlicher Graben als Annäherungshindernis ist längst eingeebnet.
Drei Türme gestatteten einst eine flankierende Bestreichung der Sperrmauer, ausser dein abgebrochenen Portone zwei noch erhaltene, beidseitig aus der Mauerflucht vorspringende Rundbastionen. Die drei Türme halten untereinander einen Abstand von ca. 150 m, die praktische Schussdistanz von leichtkalibrigen Geschützen. Der östliche Rundturm enthält einen gewölbten, mit dem Tunnelgang der Murata direkt verbundenen Innenraum, der westliche deren zwei. Sperrmauer und Türme sind allseitig mit zinnenbesetzten, durchlaufenden Maschikulis bewehrt. Die im Tunnelgang, in den Innenräumen der Türme und in den Zinnenkranz eingelassenen Schiessscharten sind teils für Hakenbüchsen oder Armbrüste, mehrheitlich für kleine Geschütze konzipiert. Weitere Maueröffnungen im Tunnelgang müssen als Belichtungs und Entlüftungsscharten gedeutet werden.
Vom Castelgrande her führt der Zugang zum Zinnenkranz und zum Tunnelgang der Murata durch einen ursprünglich wohl überdachten, ebenfalls zur beidseitigen Bestreichung der Sperrmauer eingerichteten Viereckbau.


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