Palazzo Civico Die Moderne video www.bellinzonaturismo.ch
 
 
Homepage Lageplan der Monumente Glossar Bibliografie News & Events 360º Ansichten der Schlösser
 

Schlösser und Mauern

Castello di Montebello, Ansicht von Südwesten.

Mehrere informationen:

Museum

 

Castello di Montebello

Auf einem felsigen Bergvorsprung östlich des Stadtkerns von Bellinzona steht der eindrückliche Gebäudekomplex des Castello di Montebello (im 14./15.Jh. auch Castello piccolo, nuovo oder di mezzo, ab 1506 Schloss Schwyz, nach 1818 Castello S.Martino). Die Anfänge reichen ins späte 13. Jahrhundert zurück, eine indirekte Ersterwähnung datiert von 1313. Die Burg ist wohl von den Rusca, einer einflussreichen Familie von Como, errichtet worden. In ihrem Besitz verblieb sie bis zur Übernahme durch die Visconti im Verlaufe des späteren 14. Jahrhunderts. Eine erste Ausbauphase fiel in die Mitte des 14. Jahrhunderts, vermutlich im Zusammenhang mit dem Anschluss der Stadtbefestigung an die Burg. Im frühen 15. Jahrhundert trat ein baulicher Niedergang ein, die Gebäulichkeiten vermochten, wie Klagen mailändischer Kommissäre aus der Zeit um 1460 zeigen, den verteidigungstechnischen Bedürfnissen der im Ausbau begriffenen Talsperre von Bellinzona nicht mehr zu genügen. Zwischen 1462 und 1490 erfolgte in einzelnen Etappen die Erweiterung der alten Anlage aus dem 13./14. Jahrhundert zu jenem Befestigungskomplex, der heute die Gestalt der Burg prägt.
Im 19. Jahrhundert der Verwahrlosung überlassen, bot Montebello um 1900 ein Bild drohenden Zerfalles. Die ab 1903 durchgeführten Sicherungs und Ergänzungsarbeiten sind an jenen Ziegeireihen im Mauerwerk abzulesen, die das Ursprüngliche vom Neuen trennen.
Die Burganlage erhebt sich auf einem Geländesporn, der von allen Seiten her, vor allem aber aus östlicher Richtung verhältnismässig leicht zugänglich ist. Gegen feindliche Annäherung mussten deshalb anders als beim Castelgrande tiefe Gräben ausgehoben werden. Die Anlage beschreibt im Grundriss eine verschobene Raute, an deren stumpfwinkligen Ecken die Mauern der nördlichen und südlichen Stadtbefestigung (S. unten) anschliessen. Deutlich zeichnen sich im heutigen Baubestand die drei hauptsächlichen Entwicklungsphasen der Burg ab. Sie zeigen, dass Montebello als wehrhafter Kernbau entstanden ist, um den im Verlaufe des 14. und 15. Jahrhunderts weitere Befestigungslinien gelegt wurden. Aus der Gründungszeit des späten 13. Jahrhunderts stammt der innerste Gebäudekomplex, ein unregelmässiger, etwas länglicher Bering, inwendig unterteilt durch mehrere Mauerzüge. Ob die heute über diesem Grundriss stehenden Bauten dem ursprünglichen architektonischen Konzept entsprechen, bleibt fraglich. Fensteröffnungen in der Umfassungsmauer, die heute gegen innen auf einen der beiden Binnenhöfe zeigen, weisen auf Abänderungen des Baukonzeptes hin. Nicht auszuschliessen ist, dass der im Nordostteil des Kernbaus aufragende Turm mit Zinnenkranz und flachem Walmdach eine unzutreffende Rekonstruktion der Restaurierung von 1903 bildet. Die alten Abbildungen, im 17. Jahrhundert einsetzend, belegen an dieser Stelle bloss ein viergeschossiges Gebäude mit gegen innen geneigtem Pultdach. Als Ganzes erweckt der Kernbau im Grundriss den Eindruck eines in den südlichen Alpentälern wiederholt auftretenden Baukonzeptes, das durch eine starke, hohe Ringmauer gekennzeichnet ist, an die sich inwendig die Wohn und Wirtschaftsbauten anlehnen. Zu diesem Schema passt der auf der Westseite angebrachte, heute über eine Freitreppe erreichbare Hocheingang, der ins Innere der Kernburg führt. Die einstige Wohnfunktion unterstreichen die Reste von Aborten und Feuerstellen. Zum ursprünglichen Bestand könnte auch, mindestens im Standort, der Schachtbrunnen im östlichen Binnenhof gehören. Eine kleine Kapelle, dem hl. Michael geweiht, lehnt sich südlich an den Neubau an. Errichtet um 1600, gehört sie zu den wenigen Bauten, die in der Zeit der Innerschweizer Herrschaft innerhalb der Burganlagen von Bellinzona entstanden sind.
Vermutlich um die Mitte des 14. Jahrhunderts ist die Kernburg um einen Bering erweitert worden, der sich in einem Abstand von 7 bis 15 m in unregelmässiger Linienführung um den ursprünglichen Gebäudekomplex herumzog. Er war mit direkt auf der Mauerflucht sitzenden Schwalbenschwanzzin nen bewehrt. Seine Reste stecken teils in der jüngeren Ringmauer des 15. Jahrhunderts, teils in einem Nebengebäude westlich des Kernbaus. Gegen Osten wird dieses erweiterte Burgareal durch einen tiefen Halsgraben geschützt, über den der Zugang führt. Das Tor, eine rundbogige Öffnung im Südostabschnitt der Ringmauer, steckt im jüngeren Torturm des 15. Jahrhunderts. Das Plateau östlich ausserhalb des Grabens muss schon damals in die Befestigung einbezogen gewesen sein, wie ältere Mauerteile im späteren Bering des 15. Jahrhunderts zeigen. Die grossen Umgestaltungen der Zeit zwischen 1462 und 1490 betrafen vor allem die Peripherie der Burg. Unter teilweiser Verwendung der Ringmauer aus dem 14. Jahrhundert wurde ein neuer, stärkerer Bering errichtet, der im wesentlichen noch heute das äussere Bild der Burg bestimmt, Im Vorgelände östlich des Halsgrabens erhebt sich ein in spitzem Winkel auslaufendes Vorwerk mit äusserem Tor, vorgelagertem Graben und einem maschikuli bestückten Wehrgang. Der ältere Halsgraben wird gegen Norden durch eine Brustwehr geschlossen, gegen Süden durch einen fünfeckigen, hinterwärts offenen Flankierungsturm, von dem aus das Verbindungsstück zur südlichen Stadtmauer abzweigt. An der Stelle des Tores im Bering des 14. Jahrhunderts steht ein vorspringender Torturm mit Flankierungsfunktion. (Bei den Zugbrücken des äusseren und inneren Tores handelt es sich um moderne Rekonstruktionen.)
Runde, gegen innen offene Flankierungstürme erheben sich an der West und Nordecke des Beringes. An dessen Nordost-Ecke ist inwendig eine Plattformkonstruktion angeschoben, die als Geschützstellung dienen konnte, während die zwei Rundtürme offenbar über keine Wehrplatte verfügten. Eine Toröffnung im Südabschnitt des Beringes, ausgestattet mit einem Wurfschacht, gehört zum originalen Bestand des 15. Jahrhunderts. Für die Mannschaft sind im Bering mehrere Aborte angelegt worden. Die Schiessöffnungen sowie die Maschikulis der Ringmauer und der Türme sind für Hakenbüchsen, Armbrüste und leichtkalibrige Geschütze konzipiert. Die Terrasse im westlichen Vorfeld von Montebello wird stadtseitig durch eine zinnenbewehrte Mauer mit einem kleinen, halbrunden Flankierungsturm begrenzt. Montebello war im 15. Jahrhundert innerhalb der Wehranlagen von Bellinzona als Befestigungsbezirk konzipiert, von dem aus im Kriegsfall auf alle Seiten hin eine Verteidigung möglich gewesen wäre. Der freie Platz zwischen der Hauptburg und der stadtseitigen Aussenbefestigung konnte für die improvisierte Unterbringung von Truppen und Kriegsmaterial genutzt werden.
Am Beispiel von Montebello zeigt sich deutlich, ähnlich wie bei der Murata, wie sehr die Herzöge von Mailand um 1480 bemüht waren, die vernachlässigten Befestigungswerke von Bellinzona unter Verwendung älterer Bauteile in einen verteidigungsfähigen Zustand zu versetzen.
Der Kernbau von Montebello beherbergt heute das Museo Civico mit der archäologischen Sammlung. Ausgestellt sind die Funde aus prähistorischen Gräberfeldern des Tessins mit mehreren berühmten Einzelstücken. Die Umgestaltung der Innenräume zu Ausstellungszwecken erfolgte unter Verwendung moderner Baumaterialien und Konstruktionsprinzipien 1971-74 unter der Leitung der Architekten M. CAMPI, F. PESSINA und N. PIAZZOLI.


< vorhergehende Seite | nächste Seite >